Typische Probleme und Lösungen

Ich kann die Konfliktursache nicht ermitteln. 

Lassen Sie sich als Führungskraft im Rahmen der vergangenheitsbezogenen Konfliktanalyse durch gegenseitige Schuldzuweisungen nicht zur Verzweiflung bringen und von Pontius zu Pilatus schicken. Brechen Sie Ihre Suche nach der wahren Konfliktursache, dem wirklichen Anstifter etc. ggfs. ab. Es gibt die reine Wahrheit ohnehin nur selten, und in Konflikten – spätestens ab Phase 3 – fast nie. Fokussieren Sie sich stattdessen bei den Konfliktanalysegesprächen auf die zukunftsbezogenen Fragen und richten die Parteien auf eine zukunftsorientierte Konfliktbeilegung aus.

Der Konflikt eskaliert schneller als ich eingreifen kann.

Wenn Konflikte eskalieren, wird dies oft als Konfliktspirale bezeichnet. Bildlich stellt dies dar, dass die Konfliktdynamik eine kreisförmige Bahn beschreibt, sich der Konflikt dabei intensiviert und die Konfliktbeteiligten die nächste Phase einläuten. Die in der Praxis bedeutsamsten Eskalationsmechanismen sind die Teufelskreise, die selbsterfüllenden Prophezeiungen und der präventive Erstschlag.

Was Sie tun können, um Eskalationsmechanismen zu unterbrechen: 

  • Die Beteiligten versuchen in Konflikten stets, sich gegenseitig zu der von ihnen gewünschten Verhaltensänderung zu bringen. Mit ihren wie auch immer gearteten Bemühungen erzielen sie jedoch genau das Gegenteil, nämlich eine weitere Intensivierung des bisherigen Verhaltens. Entscheidend für Sie als eingreifender Dritter ist, genau diesen Teufelskreis zu durchbrechen: Machen Sie klar, dass Sie keine Einmischungen in das Verhalten des anderen mehr tolerieren. An welcher Stelle Sie ansetzen, ist für die Unterbrechung des Teufelskreises unwichtig, aber tun Sie es konsequent.
  • Die sich selbsterfüllende Prophezeiung in Form negativer Erwartungen („Das gibt doch wieder Streit!“, „Mit denen werden wir nie mehr normal zusammenarbeiten!“) spielt eine gewichtige Rolle für die Konflikteskalation. Dann werden beispielsweise vorsichtshalber Sammlungen von Dokumenten, Briefen etc. anlegt, um in möglichen Konfliktsituationen bereits ausreichend Munition gegen jeden der Kollegen verfügbar zu haben. Unterbinden Sie diese Verhaltensweisen. Bringen Sie die Konfliktbeteiligten durch Fokussierung auf die Zukunft zur Formulierung positiver Erwartungen („Wir werden eine Lösung finden!“). 
  • Präventive Erstschläge folgen dem Motto ‚Angriff ist die beste Verteidigung‘. Dabei versucht eine der Konfliktparteien, einer vermeintlich bevorstehenden Attacke des Gegners zuvorzukommen und diesen durch eine gezielte Aktion kampfunfähig zu machen. Mancher diskreditiert beispielsweise im Vorfeld eines Meetings den potenziellen Gegner bei den anderen Teilnehmern, damit dessen Aussagen bei der Entscheidungsfindung nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Solch ein Verhalten hievt Konflikte zumeist höchst erfolgreich von einer der niedrigeren Phasen auf die Brand-Phase 4. Legen Sie Regeln für Verhalten und Zusammenarbeit fest, ahnden Sie Verstöße konsequent.

Ein sachlich begründeter Konflikt ist beigelegt, schon kommt der nächste.

Für die Klärung des sachlich begründeten Konflikts haben Sie und die Konfliktparteien durch entsprechende Maßnahmen dafür gesorgt, dass die Konfliktursache beseitigt ist und nicht mehr auftreten kann. Wenn nun immer wieder Konflikte auftreten, ist anzunehmen, dass die eigentliche Konfliktursache gar nicht auf der Sachebene liegt. Typischerweise werden bei emotional begründeten Konflikttypen bald nach jeder Klärung in der vorgeschobenen Sache ein neues Thema auf die Tagesordnung gebracht und zum Streitgegenstand deklariert.

Beginnen Sie erneut mit Konfliktanalysegesprächen und finden Sie heraus, welcher der emotional begründeten Konflikttypen vorliegt. Ermitteln Sie anhand dessen die entscheidende Konfliktursache. Führen Sie dann die Parteien mittels der von Ihnen bestimmten Verhaltensmuster der Konfliktbewältigung zu einer Lösung und Beilegung des Konflikts.