2.3 Eigene Vorbildrolle bestimmen und leben

Machen Sie sich nun Gedanken, welche Werte Ihre sind. Gehen Sie dabei folgendermaßen vor:

  1. Schreiben Sie spontan alle Werte auf ein leeres Blatt Papier, die Ihnen wichtig sind.
  2. Überlegen Sie, welche Werte Sie sich von Ihrem Umfeld wünschen – z. B. von Vorgesetzten, Kollegen, Mitarbeitern, Familie, Freunden etc. – und schreiben Sie diese ebenfalls auf Ihr Blatt. Reflektieren Sie dazu Situationen, die Ihnen schwergefallen sind. Überlegen Sie, was Ihnen an der jeweiligen Situation Mühe bereitet hat. Hieraus können Sie ableiten, was nicht Ihr Wert ist bzw. was Ihnen in Form des Gegenteils wichtig ist. Genauso können Sie natürlich an Situationen denken, die Ihnen leichtgefallen sind. Überlegen Sie auch hier, was für Werte gelebt wurden.
  3. Überprüfen Sie Ihre gesammelten Werte und sortieren Sie alle aus, die nicht zu Ihnen passen. Dazu geben Ihnen auch die Rückmeldungen zum Fremdbild Auskunft.
  4. Am Ende haben Sie alle Werte auf der Liste, die Ihre sind.

Ihre Werte sollten für Sie umsetzbar sein: „Ein Gramm gutes Beispiel wiegt mehr als ein Zentner Worte.“ (Franz von Sales (1567-1622), Theologe, Ordensgründer, Schriftsteller, Bischof) Ihre Mitarbeiter, Kollegen, Kunden, Vorgesetzten, Familie und Freunde messen Sie an Ihren Taten und Ihrem Verhalten und nicht an Ihren Worten. Verhalten Sie sich also vorbildhaft, anstatt nur darüber zu reden, was vorbildhaft ist.

Wenn Ihnen aus dem Stegreif keine Werte einfallen, können Sie sich auch an der Werte-Liste aus Kapitel 2.1 orientieren und daraus Ihre Werte wählen. Oder nutzen Sie die Aufzählung aus Kapitel 2.2 zu den Erwartungen der Mitarbeiter an Vorbilder. Falls es in Ihrem Umfeld Führungsleitlinien gibt, z. B. im Zusammenhang mit einem Unternehmensleitbild, dann verwenden Sie diese ebenfalls als Input.

Oftmals hilft nach einem solchen Prozess etwas Abstand, um zu der finalen Erkenntnis zu kommen: „Ja, das ist es“ oder „Hier stimmt etwas noch nicht“. Geben Sie sich diese Zeit! Wie viel Sie brauchen, wissen Sie selbst am besten. Es empfiehlt sich allerdings, ein Zeitlimit zu setzen, bis wann die Liste abgeschlossen ist.

Um Ihre Werte nun in die Praxis zu transferieren, überlegen Sie sich für jeden Wert, was er auf der Verhaltensebene bedeutet. Formulieren Sie für jeden Punkt aus Ihrer Werteliste einen Führungsleitsatz. Wichtig ist hierbei, dass der Führungsleitsatz das Verhalten dieses Wertes konkret beschreibt. Wenn zum Beispiel einer Ihrer Werte Zuverlässigkeit ist, dann könnte Ihr Führungsleitsatz dazu lauten:

„Mitarbeitende, Vorgesetzte, Kollegen und sonstige Geschäftspartner können sich bezüglich meiner Aussagen und Zusagen auf mich verlassen. Zusagen sind für mich verbindlich und ich tue alles dafür, dass ich sie einhalte.“

Leben Sie diese Leitsätze in Ihrer Führungspraxis! Um sich an die neuen Verhaltensmuster zu gewöhnen, können Sie sich die niedergeschriebenen Leitsätze auch so in Ihrem Büro aufhängen, dass Sie sie regelmäßig sehen und sich daran erinnern. Der Transfer entscheidet darüber, ob man Sie als Vorbild akzeptiert und wählt. Nur wenn Sie die gefundenen Leitsätze in Ihrer Führungspraxis adaptieren können, werden Sie Ihrer Vorbildrolle gerecht und scheitern nicht bloß mit guten Vorsätzen.

Seien Sie ehrlich mit sich und bestimmen Sie nur Werte als die Ihren, mit denen Sie sich identifizieren können, denn im Anschluss müssen Sie diese Werte leben – und das fällt ohne Identifikation schwer. Sie haben diesen Schritt erfolgreich gemeistert, wenn Sie mit Ihrer Werte-Liste und den zugehörigen Führungsleitsätzen zufrieden sind und die Bestätigung Ihrer Mitarbeiter bekommen, dass Sie als Vorbild akzeptiert werden. Diese Bestätigung finden Sie z. B. darin, dass Ihre Mitarbeiter gerne mit Ihnen arbeiten, motiviert sind und sich engagieren.