2.1.b Ihre soziale Kompetenz

Gute Beziehungen erfordern Arbeit. Dazu benötigen Sie soziale Kompetenz. Unter diesen Begriff fallen alle persönlichen Einstellungen und Fähigkeiten, die Ihnen helfen, Ihr Verhalten nicht nur an den eigenen Bedürfnissen, sondern an denen der Gemeinschaft auszurichten. Es gelingt Ihnen dann, Ihre persönlichen Ziele und Interessen mit den Einstellungen und Werten anderer Menschen zu verknüpfen. Soziale Kompetenz umfasst mehrere Komponenten. Prüfen Sie, inwieweit Sie diesen Aspekten bereits in Ihrem Alltagsleben gerecht werden. Je mehr dies der Fall ist, desto höher ist Ihre soziale Kompetenz. Durchdenken Sie dazu die folgenden Punkte:

  • Empathie
    ermöglicht den Wechsel der Perspektive. Sie befähigt Sie, die Auswirkungen Ihres Handelns auf andere abzuschätzen, deren Handlungen zu verstehen und Konsequenzen abzuleiten.
    Beispiel: Ein Kollege hat gerade erfahren, dass er Vater wird. Er freut sich, aber nach und nach stellt sich die Gewissheit ein, dass sich sein Leben grundsätzlich ändern wird. Er grübelt und ist unkonzentriert. Können Sie das nachempfinden, auch wenn Sie keine Kinder haben? Bringen Sie Verständnis für die Achterbahnfahrt seiner Gefühle auf? 
  • Kommunikationsfähigkeit
    ist wichtig, um verbale und nonverbale Signale auf einer bestimmten Ebene zu senden, die Ihr Gegenüber auch versteht. Umgekehrt ermöglicht Kommunikationsfähigkeit es Ihnen, solche Signale richtig zu interpretieren und entsprechend zu reagieren.
    Ein Beispiel: Freitagnachmittag, Kundentermin. Ihr Mitarbeiter führt den Gast in den Besprechungsraum und macht Anstalten, sich dazu zu setzen. Sie planen ein Vier-Augen-Gespräch, haben sich aber vorher nicht abgestimmt. Sie übergeben dem Mitarbeiter einige Dokumente und sagen: „Das muss heute noch in die Buchhaltung.“ Ihr Mitarbeiter weiß, dass die Buchhaltung nicht mehr besetzt ist. Versteht er den Wink? Nimmt er die Unterlagen und lässt Sie beide allein?
  • Teamfähigkeit
    ist die Fähigkeit, sich in eine Gruppe einzugliedern und anderen Ideen oder Meinungen den Vortritt zu lassen, wenn die besseren Argumente dafür sprechen.
    Ein Beispiel: In Ihrem Betrieb werden Lohnarbeiten ausgeführt. Sie möchten ein Rotationsprinzip einführen, damit die Arbeit für die Beschäftigten abwechslungsreicher wird. Da nicht im Akkord gearbeitet wird, sehen Sie große Bereitschaft zur Änderung seitens der Geschäftsführer. Doch es kommen Gegenargumente: Die Mitarbeiter fühlen sich wohl an ihrem festgelegten Platz, sind eingebunden in ein soziales Netz mit den direkten Nachbarn an der Werkbank. Außerdem hat man das schon einmal versucht und es hat nicht funktioniert. Lassen Sie sich überzeugen? Oder beharren Sie auf Ihrer Idee?
  • Kooperationsfähigkeit
    befähigt Sie dazu, insbesondere negative Emotionen weitgehend auszublenden und mit anderen Menschen – ganz gleich, ob Ihnen sympathisch oder nicht – ein gemeinsames Ziel zu verfolgen.
    Ein Beispiel: Sie sollen eine Projektgruppe aufstellen, die sich mit der Einführung von Betriebssport befasst. Ein Kollege ist dafür besonders geeignet; er ist seit vielen Jahren in seinem Verein aktiv und könnte wertvolle Tipps zur Organisation geben. Allerdings hat er sich schon öfter abfällig über Tierhalter geäußert und macht keinen Hehl daraus, dass man seiner Meinung nach alle streunenden Hunde und Katzen erschießen müsste. Sie selbst engagieren sich für Tiere in Not und Ihnen ist sein Verhalten und Denken äußerst unsympathisch. Holen Sie ihn – trotzdem – in Ihr Team, um die Betriebssport-Abteilung aufzubauen? Stellen Sie seine Qualifikation über Ihre Antipathie?
  • Konfliktfähigkeit
    ist wichtig, um die eigene Position auch gegen Widerstände zu vertreten. Das erfordert Mut, Selbstbewusstsein und Gefühl für das richtige Timing.
    Ein Beispiel: Ein Kollege hält eine interne Präsentation, die ohne Ihre Mitarbeit nicht zustande gekommen wäre. Er erwähnt Sie aber nicht als Co-Autor und sonnt sich im Lob des Auditoriums. Ärgern Sie sich still und sprechen den Kollegen – vielleicht – nach der Sitzung an? Oder nutzen Sie die Gelegenheit eines Chartwechsels oder einer kleinen Pause in der nachfolgenden Diskussion, um das Wort zu ergreifen und mit einem sachlichen, fachlich ergänzenden Satz klarzustellen, dass Sie im höchsten Maße in diese Arbeit involviert sind?
  • Toleranz
    sagt viel über das Selbstwertgefühl eines Menschen. Eine ausgeprägte Fähigkeit zur Toleranz spricht für ein gesundes Selbstbewusstsein. Fehlurteile basieren häufig auf einem Mangel an Toleranz.
    Ein Beispiel: Angenommen, Sie bewerben sich intern auf eine Stelle, doch Sie werden abgelehnt und der Job geht an einen Kollegen, der weit weniger Erfahrungen als Sie mitbringt. Der Entscheider stammt aus dem arabischen Kulturkreis. Denken Sie „War ja klar, bei denen sind Frauen eh nichts wert“ und „blöder Kameltreiber“ oder fragen Sie nach, was genau zu seiner Entscheidung geführt hat? Vielleicht erfahren Sie dann, dass der junge Kollege eindeutig die besseren IT- oder Sprachkenntnisse hat. Oder dass man Ihnen in Kürze eine andere, weitaus spannendere Aufgabe anbieten möchte.

Nachdem Sie diese Bespiele gelesen und auf sich bezogen haben – wie beurteilen Sie sich? Entdecken Sie die genannten Teilaspekte sozialer Kompetenz an sich? Welche sind besonders stark ausgeprägt? Rufen Sie sich zu den jeweiligen Themen auch Situationen ins Gedächtnis, die Sie selbst erlebt haben. Fällt Ihnen zum einen oder anderen Aspekt viel, zum nächsten dagegen gar nichts ein? Diese Unterschiede geben Aufschluss über Ihre Stärken und Schwächen und signalisieren, in welchen Bereichen Sie noch besser werden können. Die große Bandbreite menschlicher Standpunkte und Betrachtungsweisen erschwert es, Beziehungen aufzubauen und zu erhalten. Soziale Kompetenz ist deshalb unabdingbar, um diplomatisch zu agieren.

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