2.1.a Im richtigen Tonfall können Sie alles sagen

Ob wir genervt oder entspannt sind, verärgert oder enttäuscht, zuversichtlich oder traurig – fast immer verraten Tonfall und Mimik, wie uns zumute ist. Und ob ein Satz Aussage, Frage, Aufforderung oder Vorwurf ist, gibt ebenfalls der jeweilige Tonfall an. Nur dadurch erfährt der Gesprächspartner, welchen Sinn er der Äußerung geben soll und in welchem emotionalen Zustand der Sprecher gerade ist. 

Nun ist in allen Sprachen der Erde die Frage daran zu erkennen, dass am Satzende die Stimme ansteigt. Dagegen senken wir bei einer Feststellung die Stimme am Satzende. Aufgrund der Stimmhebung am Satzende, können Fragen, oder gar Frageketten allein vom Tonfall her nötigend wirken. Denn die Stimmhebung bringt zum Ausdruck, dass der Sprecher eine Fortsetzung erwartet, eben die Antwort. Der Anstieg der Stimme erzeugt Spannung, sowohl im Gefragten als auch im Fragenden. Solange eine Antwort ausbleibt, bleibt die erzeugte Spannung erhalten. Das behindert jedoch zugleich auch das Schweigen können – eine Voraussetzung fürs Nachdenken. Dagegen wirken Aussagesätze aufgrund des Tonfalls weniger bedrängend und ziehen in der Regel weitergehende Ausführungen des Gesprächspartners nach sich. 

Prüfen Sie doch einmal, wie sich die Wirkung einer Äußerung verändert. Lesen Sie die drei folgenden Sätze laut. Einmal im Frageton mit ansteigender Stimme zum Satzende und einmal als Feststellung, indem Sie den Satz wie eine Selbstverständlichkeit betonen.

  • „Sie halten den Zeitplan für unrealistisch.“
  • „Sie empfinden diese Anfrage als Zumutung.“
  • „Dass keiner auf Ihren Vorschlag eingegangen ist, enttäuscht Sie.“

Erst die Selbstverständlichkeit, mit der Sie eine Feststellung treffen, macht sie zu etwas Natürlichem. Das trägt zur Entspannung und Entlastung bei, zeigt Ihr Tonfall doch, dass Sie entspannt bleiben und an dem, was der andere sagt, nichts Besonderes oder Ungewöhnliches oder Inakzeptables finden. Beim Beantworten von Fragen greift dagegen ein Kontrollmechanismus ein: Der Antwortende fragt sich dann, ob und inwieweit die Antwort sein Selbstbild aufrecht erhält, ihn in einem guten Licht dastehen lässt oder sozial erwünscht ist.

Probieren Sie Ihre neu gewonnenen Erkenntnisse nun in Gesprächen aus: Wenn Sie im Tonfall der Beiläufigkeit Feststellungen treffen, werden Sie feststellen, dass sich Ihre Gesprächspartner unaufgefordert erklären und dass deren Sätze länger werden. Ihr eigener Gesprächsanteil geht meist zurück. Registrieren Sie Ihre Umsetzungserfolge in Form ehrlicher(er) bzw. ungeschönter(er) Aussagen und halten Sie besonders erfolgreiche Mechanismen ggf. schriftlich fest, um Sie später aufgreifen zu können. 

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